07.11.2019

Learn4Life! Durchführende aus Deutschland im Gespräch

Mit dem Projekt „Masifunde – Lasst uns global lernen!“ wird das Konzept der Learn4Life! Klassen aus Südafrika nach Deutschland gebracht. 3 Durchführende geben uns Einblicke in ihre Klasse und persönlichen Motivationen.

Pablo Delgado ist 22 Jahre alt, in Berlin aufgewachsen und dann für sein Ethnologiestudium nach Mainz gezogen. Hier leitet er das Learn4Life!-Programm in Form eines Wahlpflichtfaches an der IGS Bretzenheim.

Wie und wann bist du zu Masifunde gekommen? Warum hast du dich für Learn4Life! entschieden?

„Eine Kommilitonin von mir hat die Stellenausschreibung von Masifunde für die Durchführung des Learn4Life!-Programmes über unseren Uni-Verteiler verschickt. Ich habe mich dann beworben, weil es um die Themen geht, die mich selbst sehr interessieren und, ich würde auch sagen, meine Kompetenzen widerspiegeln. Seitdem ich 15 bin, war ich an ähnlichen Bildungsprojekten in Berlin beteiligt. Es ging viel um Migration, aber auch um Suchtprävention.“
Seit dem Beginn dieses Schuljahres leitet Pablo nun die Learn4Life!-Gruppe in Mainz. So würde er seine Gruppe und seine Stunden beschreiben:
„In dem Schuljahr behandeln wir verschiedene Bildungsmodule, die von Masifunde erarbeitet worden sind, zum Beispiel zu den Themen Ressourcen und Konsum, Umwelt und Klimawandel oder Menschenrechte. Ich habe aber viele Freiheiten, wie ich diese Themen umsetze und meine Stunden durchführen will. Meine Gruppe besteht aus neun Kindern, die alle zwischen elf und zwölf Jahren alt sind. Ich probiere immer verschiedene Methoden in meinen Stunden anzuwenden und die Themen mit einem globalen Blickwinkel zu betrachten.“

Was ist deine persönliche Motivation dahinter?

„Der Ansatz vom Globalen Lernen ist etwas, das mich auch in meinem Studium beschäftigt und mich sehr interessiert. Ich finde es wichtig, ein größeres Bewusstsein für die globale Einbettung unseres Alltags zu schaffen und denke, dass ich das im Rahmen des Learn4Life!-Programmes sehr gut vermitteln kann.“
Was war dein schönster Moment bis jetzt? Was macht insgesamt am meisten Spaß?
„Tatsächlich war unsere letzte Stunde sehr besonders. Wir haben zusammen ein Projekt erarbeitet, in dem es um die Plastikverschmutzung in den Meeren geht. Dafür haben die Kinder als Hausaufgabe Plastik gesammelt und diese dann auf das Bild einer Welle geklebt. So ist unser „Plastikozean“ entstanden. Wir durften ihn dann zusammen mit Informationszetteln zentral in der Schule aufhängen. Ich fand es besonders schön, die Kinder so stolz zu sehen, dass sie zuerst aktiv Plastikmüll aufgesammelt haben und dann mit diesem, ihre Mitschüler*innen über die Plastikverschmutzung in den Meeren informieren konnten.“

Was sind denn noch Herausforderungen? Was sind die Ziele in der nächsten Zeit?

„Ich finde herausfordernd, dass die Gruppe noch sehr jung ist und deswegen muss ich manchmal die Themen sehr stark herunterbrechen, um sie verständlicher zu machen. Oft sind alle am Nachmittag nach einem langen Schultag ein bisschen unruhig, sodass es etwas schwierig sein kann, dass große Interesse der Kinder an den Themen auch in Motivation umzusetzen. Eine große Herausforderung wird sicherlich die Erarbeitung eines kreativen Abschlussprojekts im letzten Viertel des Jahres mit einer so jungen Gruppe darstellen. Dieses gemeinsame Projekt ist aber auch, dass worauf wir hinarbeiten. Ich überlege dann gemeinsam mit meiner Gruppe, welches Thema wir genau behandeln und wie wir das umsetzen wollen.“


Marieke Fröhlich ist 30 Jahre alt und arbeitet an der Hessischen Stiftung für Friedens- und Konfliktforschung in Frankfurt am Main. Seit Beginn diesen Schuljahres leitet sie an einem Nachmittag in der Woche die Learn4Life!-Gruppe an der Viktoriaschule in Darmstadt.

Wie und wann bist du zu „Masifunde“ gekommen?

„Masifunde“ kenne ich schon länger, da ich vor einigen Jahren ein Freiwilliges Soziales Jahr in Kimberley in Südafrika machte und durch die gemeinsame Teilnahme an Vorbereitungs-, Zwischen und Nachbereitungsseminaren eng mit Freiwilligen von Masifunde befreundet war. In diesem Zusammenhang lerne ich viel über Masifunde in Südafrika und besuchte das Projekt in Port Elizabeth. Während meines Bachelors in Kapstadt hatte ich Masifunde dann immer „auf dem Schirm“. In Deutschland habe auch schon an einem Workshop von Masifunde teilgenommen. Als ich die Stellenausschreibung für die Leitung der Learn4Life!-Gruppe gesehen habe, habe ich mich dann direkt darauf beworben.“

Was machst du bei Learn4Life! eigentlich genau? Welche Themen behandelst du? Wie laufen deine Stunden ab?

„Alle 15 Teilnehmer*\Innen meiner Gruppe gehen in die neunte Klasse. Bei Learn4Life! geht um Themen des Globalen Lernens. Das sind vor allem Themen, die uns alle alltäglich betreffen. Es gibt drei Module, die wir im Laufe des Schuljahres behandeln, im Moment beschäftigen wir uns zum Beispiel mit dem Thema „Konsum und Ressourcen“. Dabei behandeln wir in jeder Stunde ein neues Unterthema. Mir ist es besonders wichtig, dass meine Gruppe lernt, die Inhalte kritisch zu hinterfragen und dass wir partizipativ lernen.
Oft fange ich die Stunden mit einem Warm-up, einer Wiederholungs- oder Assoziationsrunde an. Meine Teilnehmer*Innen erarbeiten längere Aufgaben oft in Gruppenarbeiten und stellen ihre Ergebnisse dann im Plenum vor. In der Gruppe gibt es sehr unterschiedliche Wissensstände und auch verschiedenste Ansichten, weshalb mir Diskussionen sehr wichtig sind. Außerdem spiegelten mir die SchülerInnen zu Anfang des Schuljahres, dass sie besonders das Teilen ihrer Meinung wertschätzen, da sie oft erleben, dass dies im normalen Schulalltag oft viel zu wenig Raum bekommt.“

Marieke arbeitet normalerweise im Büro, weshalb ihr die Arbeit in der Learn4Life!-Gruppe besonders viel Spaß mache:

„Es ist natürlich ein schöner Ausgleich zum Büroalltag, mit jungen Menschen zusammen zu arbeiten. Unsere Themen sind mir privat auch sehr wichtig, weshalb es mir umso mehr Spaß, diese kritisch gemeinsam zu erarbeiten und „Aha-Momente“ der Gruppe zu erleben.“

Was war dein schönster Moment bis jetzt? Was macht Dir am meisten Spaß?

„Gleich unsere erste Stunde habe ich in besonders schöner Erinnerung. Während der Einleitung zu unserem ersten Modul leitete ich eine Assoziationsrunde zu „Unsere Lebensumwelt“ im Bezug auf das Modul „Ressourcen und Konsum“ an. Relativ schnell entstand eine Diskussion in der Gruppe über globale Zusammenhänge unserer Lebenswelten und über die Bedeutung und Verbindungen von Reichtum und Armut in diesem globalen Kontext. Das fand ich beeindruckend.
Insgesamt macht es mir besonders Spaß, den Austausch zu diesen wichtigen Themen unter den Schüler*Innen anzuregen und zu begleiten. Außerdem ist die verantwortliche Lehrerin sehr motiviert und engagiert. Die Schule ist eine Fairtrade-Schule, weshalb Learn4Life! hier sehr gut angenommen wird.“

Was sind noch Herausforderungen? Was sind die Ziele in der nächsten Zeit?

„Die größte Herausforderung ist, dass die Teilnehmer*Innen alle aus unterschiedlichen Klassen kommen und deswegen der Gruppenzusammenhalt noch nicht so gut ist. Oft sind viele verständlicherweise auch müde am Nachmittag nach einem langen Schultag.
Die Ziele in nächster Zeit beziehen sich vor Allem auf das Projekt, das die Schüler*Innen am Ende des Schuljahres durchführen. Die Gruppe sucht sich das Thema aus, welches wir dann durch unser Projekt nach außen tragen. Wir arbeiten also darauf hin, Teile des erarbeiteten auch mit dem Rest der Schule oder der Öffentlichkeit zu teilen.“


Helen Danso ist 27 Jahre alt und Mutter von zwei kleinen Kindern. Sie lebt in Wiesbaden und hat gerade ihr Studium in Mainz mit dem Master in Ethnologie und Afrikastudien abgeschlossen. Helen leitet gleich zwei Learn4Life!-Gruppen an zwei verschiedenen Schulen in Wiesbaden.

Wie und wann bist du zu Masifunde gekommen? Warum hast du dich für Learn4Life! entschieden?

Masifunde kenne ich über meine ehemalige Nachbarin, die schon lange ehrenamtlich für Masifunde aktiv ist. Auch privat beschäftige ich mich viel mit Themen des Globalen Lernens und des Globalen Südens, unter anderem weil ich ein Freiwilliges Soziales Jahr in Ghana gemacht habe. Jetzt fand ich es toll, mich neben meinem privaten Interesse und nach meinem Studium, auch weiter beruflich damit auseinander zu setzen.

Für Helen ist es besonders interessant, dass sie ihre Stunden in den beiden Gruppen vergleichen kann:

„Meine erste Gruppe besteht aus 25 Teilnehmer*innen, die Learn4Life! als ein verpflichtendes Wahlfach belegen. Interessant ist die Ergänzung mit der „Ruanda-AG“ - ein ruandischer „weltwaerts“-Freiwillger übt als Energizer mit der Gruppe einen ruandischen Tanz, der dann am Ende des Jahres auf dem Schulfest aufgeführt werden soll. Das ist eine tolle Kooperation. An der Schule beschäftige ich mich besonders mit dem Thema „Ernährung und Landwirtschaft“. Zum Beispiel ist eine unserer Projektideen, Pläne für eine nachhaltigere Schulmensa zu entwerfen. Meine zweite Gruppe ist jünger. Die acht Schülerinnen gehen in die siebte oder achte Klasse. Hier behandle ich gerade das Thema „Konsum und Ressourcen“. Besonders spannend fand die Gruppe die Stunden zum Thema Textilien. Sie sind alle sehr modebewusst und waren danach sehr betroffen.“

Was ist deine persönliche Motivation dahinter?

„Für die Themen, die ich in meinen Gruppen behandele, interessiere ich mich auch privat sehr. Ich habe schon Workshops dazu gegeben und besucht. Ich bewege mich dabei aber oft in einer „akademischen Bubble“, weswegen es mir besonders Spaß macht, die Themen altersgerecht „herunterzubrechen“ und zu zeigen, dass sie uns alle auch persönlich betreffen. Denn Botschaften, wie, dass Globales Lernen aus traditionellen Denkmustern auszusteigen, bedeutet, ist mir wichtig.“
Was war dein schönster Moment bis jetzt? Was macht insgesamt am meisten Spaß?
„Zum Beispiel meinten die Schülerinnen aus der kleineren Gruppe zu mir, dass es ihnen jetzt viel schwerer fällt, shoppen zu gehen. Da habe ich gemerkt, dass sie sich unsere Stunden wirklich zu Herzen nehmen.“

Was sind noch Herausforderungen?

„An meiner einen Schule haben wir pro Woche nur 45 min Zeit, was leider etwas zu kurz ist, um alle Inhalte unter zu kriegen. Insgesamt frage ich mich auch, wie man in einer sehr heterogenen Gruppe alle erreichen und begeistern kann. Die Inhalte sollen ja auch keine Angst machen, sondern uns alle ermutigen, Lösungen für die bestehenden Probleme zu finden.“

Autor*in

Leah Tomerius
PR & Friendraising

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