19.07.2019

Und alle Wege führen nach Rom - oder zu Masifunde

In einem kleinen Beitrag geht es heute um die Geschichte von Zameka, einer Mitarbeiterin von Masifunde, die ihren Anfang 2004 nimmt, als Zameka zusammen mit zwei anderen Mädchen Teil des Masifunde-Logos wurde, die Organisation wieder verließ, um auf langen Umwegen zehn Jahre später in das orangefarbene Office in der 8th Avenue zurückzukehren. In einem Interview erzählt sie ihre beeindruckende Geschichte.

Damals, im Jahr 2004, erzählt Zameka, war sie selbst zehn Jahre alt und Mitglied in einer Tanzgruppe, welche traditionelle Tänze einstudierte. Diese führten sie dann an verschiedenen Orten auf und sammelten Spenden, von welchen sie neue Uniformen kaufen wollten. Tanzstudio und Übungsplatz war zu der Zeit ein Gebäude, das zu Masifunde gehörte und dort stand, wo man heute Masifundes “Changemaker Academy“ findet. Durch dieses Gebäude knüpfte sich auch der erste Kontakt zu der NGO, denn eines Tages wurde sie gefragt, ob sie zusammen mit zwei anderen Mädchen von Masifunde fotografiert werden dürfe. Es wurde zu der Zeit ein neues Logo gesucht und man wollte ein authentisches Bild mit jungen Leuten des Walmer Townships. Zameka wusste zu diesem Zeitpunkt gar nicht, worum es bei dem Bild ging und sollte es auch erst einige Zeit später erfahren. Sie sagte zu und landete kurz darauf zusammen mit den beiden Nichten des Fahrers Mfana, Nikhita und Zanele, auf dem Cover-Bild aller Masifunde-Broschüren, Berichte und Flugblätter.

Zameka selbst blieb für drei weitere Jahre in Port Elizabeth, ging zur Schule und tanzte in ihrer Gruppe. Mit 13 Jahren zog sie auf Bitte ihrer Mutter, die sie in ein neues soziales Umfeld bringen wollte, nach Johannesburg. Dorte lebte sie bis 2013 und absolvierte nach mehreren Schulwechseln in verschiedenen umliegenden Provinzen ihre Abschlussprüfungen. In dieser Zeit erfuhr Zameka das erste Mal von ihrer Mutter, dass Masifunde nach ihr suchte. Dennoch zog es sie noch nicht in die kleine Küstenstadt zurück. Stattdessen zog die frischgebackene Absolventin in die Surferhochburg Durban, wo sie an der örtlichen Universität Buisness Management studierte und erfolgreich abschloss. Die Tante, bei der die junge Studentin in dieser Zeit wohnte, zog jedoch kurz darauf nach Mexiko, weshalb Zameka keine Unterkunft hatte und zurück in ihren Heimatort zog.

In Port Elizabeth angekommen verbrachte sie die erste Zeit mit Jobsuche bis sie schließlich eine Stelle bei Games, einer großen Supermarktkette ähnlich dem deutschen Pendant Real, annahm. Dort arbeitete sie zwei weitere Jahre als Verkäuferin. Eines Abends kam es jedoch zu einem unglücklichen Missverständnis: Kurz vor Ladenschluss gab es an der Kasse an der Zameka abrechnete Schwierigkeiten. Eine Kundin hatte in ihrem Einkaufswagen ein Angebot der Gemüseabteilung versteckt, das nicht abgerechnet und auf dem Kassenbon aufgelistet war. Der Sicherheitsmann hatte den Vorfall beobachtet und die Dame am Ausgang aufgehalten. Ob es sich dabei um bewussten Diebstahl handelte oder sie es einfach vergessen hatte, lässt sich nicht mehr feststellen. Auch Zameka wurde von der Geschäftsleitung der Beihilfe zum Diebstahl bezichtigt, worauf man sie verwarnte, ihr aber eine „letzte Chance“ geben wollte. Zameka, die sich ungerecht behandelt fühlte, lehnte dankend ab. Sie kündigte umgehend.

Die nächsten sechs Monate waren nicht einfach für die arbeitslose junge Frau. Nach einem halben Jahr machte ihre Mutter sie auf einen Praktikumsplatz bei Masifunde aufmerksam, einen dualen Ausbildungsplatz. Die Vollzeitarbeitsstelle verknüpfte einen Job an der Rezeption des Büros mit einem zwölfmonatigen Lehrgang in der Buchführung. Zameka wurde eine der drei verfügbaren Stellen angeboten und sie nahm an. Ohne jemandem zu erzählen, dass sie als Zehnjährige bereits Teil Masifunde-Familie war.

Jahrelang hatte ihr Gesicht alle Masifunde Veröffentlichungen geziert. Jahrelang hatte man nach ihr gesucht und konnte sie nicht finden. Und jahrelang war sie durch das ganze Land gereist, hatte viele Leute kennengelernt und war aufgewachsen, um nun wieder am Ort, an dem für sie ihre Reise begonnen hatte, zurückzukehren - ein kleines Märchen.
Mittlerweile ist Zameka ein fester Bestandteil des Teams. Sie organisiert alle Transporte, ist erste Anlaufstelle bei Fragen im Office und übernimmt mit Jasper, Head of Finances, viele Aufgaben in der Geldverwaltung der Organisation.

Auf die Frage hin, wie sie sich ihre Zukunft vorstellt, lacht sie. Aber es ist ein wissendes Lächeln; das einer Person, die schon viele Wendungen in ihrem Leben erfahren hat und weiß, dass man nicht alles planen kann, sondern sich auf neue Situationen einlassen und das Beste draus machen sollte.

„Wie ich mir meine Zukunft vorstelle?“, fragt sie. „Ja. Wenn du deine Ausbildung abgeschlossen hast, was willst du dann machen?“. Und sie erklärt, dass sie am liebsten noch lange Teil der Masifunde Familie bleiben möchte, denn es gefällt ihr ziemlich gut. Vor kurzem wurde ihr Vertrag verlängert. Außerdem sieht sie in ihrer Arbeit die Chance, sich neuen Herausforderungen zu stellen und daran zu wachsen.

Beschwerden hat sie keine. Im Gegenteil, nicht nur ihre Arbeit gefällt ihr gut, sondern das Beste seien vor allem die Leute. Sie beschreibt, dass egal wie hektisch es werde, immer eine schöne Atmosphäre herrsche. Die Leute sind immer freundlich und jeder ist allzeit hilfsbereit. Auch Jonas, Gründer Masifundes, ist ihr ans Herz gewachsen. „Er vereint die beiden Figuren des Chefs und des Freundes sehr gut in einer Person“, beschreibt Zameka.

Zameka

Das ganze Team freut sich, sie als Teil der Familie begrüßen zu dürfen und wünscht ihr alles Gute und eine erfolgreiche und schöne Zeit bei Masifunde.

Autor*in

Mats Visarius
weltwärts Volunteer

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