29.11.2019

Bhuti is the Beast

Masifundes Academy of Creativity hat sich mittlerweile fest in der Kunst- und Kulturszene von Port Elizabeth etablieren können. Auch mit ‚Bhuti is the Beast‘, dem nun mehr dritten Musical, konnte die hohe künstlerische Qualität und Professionalität unter Beweis gestellt, und gleichzeitig auf ein gesellschaftlich relevantes Thema aufmerksam gemacht werden. Die Resonanz auf die diesjährige Produktion übertraf dabei allerdings alle Erwartungen.

Hintergrund der Geschichte sind die immer wiederkehrenden Meldungen von Misshandlungs- und Tötungsfällen in Südafrika, die oftmals nicht aufgeklärt werden. ‚Bhuti is the Beast‘ ist ein Tribut an Sonia Payi, ein damals siebenjähriges Mädchen, deren Körper im Jahr 2017 schwer misshandelt auf den Straßen von New Brighton gefunden wurde - auch ihr Mörder wurde nie gefasst. Der Titel des Stückes weist darauf hin, dass solche Verbrechen oftmals von Menschen aus dem direkten Umfeld der Opfer begangen werden; Menschen, die Ansehen in ihrer Community genießen und das Vertrauen ihrer Mitmenschen missbrauchen: ‚Bhuti‘ ist die in der Xhosa-Kultur gängige respektvolle Anrede älterer oder sozial höhergestellter Männer.

Die Hauptfigur, Buhle, ein Mädchen aus Walmer Township, wird von einem Bekannten der Familie und Pastor der örtlichen Kirchgemeinde entführt und misshandelt. Gemeinsam mit seiner Frau beteiligt sich der Pastor an einer großangelegten Suchaktion des Mädchens.
Das Biest, ein merkwürdiger Kautz mit dem Herzen am rechten Fleck, findet das Mädchen und möchte es befreien, wird aber kurz vor der Rettung noch vom Pastor entdeckt. Daraufhin tötet dieser das Mädchen und hetzt die Community gegen das Biest auf, das so Opfer der Selbstjustiz wird. Ein Happy End gibt es nicht.

Doch trotz der Schwere des Themas schafften es die großen und kleinen Künstler*innen, das Publikum mitzureißen und auch mit einer angemessenen Leichtigkeit auf der Bühne zu agieren. Viel Fingerspitzengefühl bewies das Team der Academy of Creativity von Masifunde um Xabiso Zweni (Drehbuch und Regie), Sivuyile Scott (Musik), Sibabalwe Ngewu (Choreografie) und Banele Njadayi (Bühnenbild).

Bereits im vergangenen Jahr, nach der Premiere des Musicals ‚So What, Sara Fina!?‘, wurde das neue Stück konzipiert und die Musik dazu komponiert, bevor sich die Choreografin an die Arbeit machen konnte. Die insgesamt 50 Jugendlichen, die an der Produktion beteiligt waren, begannen im Juli 2019 mit den Vorbereitungen. Diese beinhalteten nicht nur Chor-, Tanz- und Theaterproben sowie die Herstellung der Requisiten durch die Kunstgruppe, sondern auch die emotionale Betreuung und Aufarbeitung des sensiblen, aber leider auch sehr relevanten Themas durch unsere Sozialarbeiterin Valencia.

Die Premiere im Opernhaus von Port Elizabeth vor 650 Zuschauern hätte erfolgreicher nicht laufen können - die Tickets zur Show waren bereits im Vorfeld ausverkauft. Nicht nur die Relevanz der Geschichte konnte begeistern, auch die professionelle, aber emotionale Ausführung der jungen Künstler*innen beeindruckte und wurde folgerichtig mit stehenden Ovationen und begeistertem Feedback belohnt. Im kommenden Jahr soll dann das Stück noch einmal beim National Arts Festival in Makhanda, dem größten seiner Art auf dem afrikanischen Kontinent, aufgeführt werden.

Autor*in

Laura Klapper
Programm Managerin

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