Zu Besuch bei Patenkind Yonela

Christina Kruse besuchte im März ihr Patenkind Yonela und berichtet hier von ihren Eindrücken.

 

Im März war ich 2 Wochen in Südafrika und hatte die Gelegenheit Walmer Township und Masifunde zu besuchen. Für mich war es ein absolutes Highlight Yonela, unser Patenkind, zu Hause zu besuchen. Über die Patenbetreuerin Laura Klapper hatten wir schon vorher Kontakt zu Yonela und er hat sich riesig auf unseren Besuch gefreut.

Als erstes sind wir mit Laura zur High School des Townships gefahren: 1400 Schüler in Beton-Rohbauten, ohne Elektrizität und mit drei funktionierenden Toiletten. Alles hat den Eindruck gemacht, als wäre es ein Ort an dem man eher so tut als würde man zur Schule gehen, der Eindruck als würde dort tatsächlich Unterricht stattfinden, ist nicht entstanden. Mal ist ein Lehrer anwesend, mal nicht. Die einzig funktionierende Infrastruktur schien die Bibliothek zu sein, die von Masifunde geführt wird.

 

Danach sind wir zu Yonelas Schule, der Victoria Park High School, gefahren. Diese liegt nur etwa 1 Kilometer von der Township High School entfernt, man erhält aber den Eindruck in einer anderen Welt zu sein. So krass habe ich mir den Unterschied nicht vorgestellt. Alles macht einen auf Hochglanz polierten Eindruck, sehr amerikanisch, mit riesigen Sportanlagen. Yonela ist im Fußball-Team, war 2013 "most promising player" und ist Stammspieler, genauer gesagt Stürmer. Zudem ist er ein ziemlich guter Sprinter und hat in der Woche vor unserem Besuch bei Regionalmeisterschaften barfuß den 200 m Sprint gewonnen. Es scheint auch sonst gut in der Schule zu laufen. Er hat uns erzählt, dass seine Mutter sehr streng ist und er immer seine Hausaufgaben macht. Um die Abschlussprüfungen nächstes Jahr scheint er sich keine Sorgen zu machen.

Von der Schule aus sind wir in den HomeWorkClub von Masifunde gefahren, der direkt im Township stattfindet. Hier fand die erste Begegnung mit Yonela statt. Als Geschenk hatte ich ihm das Bild mitgebracht, welches vor 10 Jahren aufgenommen wurde. Ich glaube darüber hat er sich sehr gefreut. Erst war er ein bisschen schüchtern und hat ganz pflichtbewusst seine Hausaufgaben fertig gemacht. Anschließend hat uns Laura zu ihm nach Hause gebracht, wo seine Schwester und seine Mutter auf uns gewartet haben. Die Atmosphäre war sehr herzlich. Seine Mutter hat im Moment keine Arbeit, sie hat vorher als Friseurin gearbeitet. So richtig konnten sie es nicht fassen, dass wir sie jetzt wirklich besuchen.

 

Wir sind ein wenig durch die Straßen gelaufen und Yonela hat uns die Kinderkrippe seiner Tante gezeigt. Dort werden bis zu 40 Kinder zwischen 3 Monaten und 5 Jahren betreut. Das Ganze in zwei kleinen Räumen, inklusive Mittagessen, das in einer winzigen Küche auf zwei Kochplatten zubereitet wird. Die Kleinen sind alle munter auf uns zu gerannt und haben uns erst einmal diverse Lieder vorgetragen und uns gezeigt wie toll sie auf Englisch zählen und die Jahreszeiten aufsagen können. Yonelas Tante hat mich ziemlich beeindruckt. Sie hat selber 4 Kinder und versucht das Beste für ihre Krippenkinder rauszuholen. Die Mittel, die sie dafür zur Verfügung hat, sind sehr begrenzt.

Als wir wieder bei Yonela waren, gab es dann noch eine große Abschiedsfoto-Session im kleinen Hinterhof. Yonelas Mama hat mir noch einen Brief und ein Foto zugesteckt und der Abschied war sehr herzlich!

 

Kurz bevor Laura uns zum Masifunde Büro zurück fahren wollte ist Yonela zu uns ins Auto gesprungen, weil er uns noch etwas zeigen wollte: Er spielt in einer Gospelband Schlagzeug. Also sind wir zu seiner Kirche gefahren, wo er uns ganz stolz etwas auf dem Schlagzeug vorgespielt hat.

Yonela würde gerne Jura oder Sportmanagement studieren. Für die ganze Familie wäre es ein absoluter Traum irgendwann einmal nach Deutschland fliegen zu können. Sie versuchen wirklich das Beste aus den Gegebenheiten zu machen. Ich stelle mir den Alltag ziemlich hart vor, vor allem jeden Tag weiter daran zu glauben, dass es eines Tages einen Ausweg aus dem Township geben könnte.

 

Für mich persönlich war das Zusammentreffen sehr beeindruckend. Nach außen scheint sich Yonelas Alltag nicht so sehr von dem Schulalltag zu unterscheiden, den wir früher einmal hatten. Nicht unterschätzen darf man dabei den Spagat, den er zwischen den "Zwei Welten" - Township und Victoria Park High School - leisten muss. Im Township fällt er auf, weil er eine teure Schule besucht und auf der anderen Seite weiß jeder in der Schule, dass er aus dem Township kommt.

Auch bin ich gespannt, ob es die Schulbildung alleine ermöglicht die gesellschaftlichen Schranken zu besseren Jobs, Universität etc. zu überwinden. Yonela hat sehr entschlossen und willensstark gewirkt. Ich hoffe er wird auf seinem weiteren Weg nicht demoralisiert.