„Mir lag Walmer Township am Herzen“

Im Interview erzählt Masifunde-Gründer Jonas Schumacher, wie alles begann.

 

Durch die Initiative von Jonas Schumacher wurden vor zehn Jahren die ersten Kinder aus Walmer Township auf Schulen außerhalb des Townships eingeschult. Damals war Jonas Austauschstudent in Port Elizabeth. Heute lenkt er die Geschicke der deutsch-südafrikanischen Organisation in der Regenbogen-Nation und erzählt im Interview, wie alles begann.


Wir blicken auf zehn Jahre Masifunde zurück. Kannst du erzählen, wie die Geschichte begann?

Jonas Schumacher: Masifunde begann 2003 mit einem Besuch des Jugendchores des Alten Kurfürstlichen Gymnasiums Bensheim in Südafrika. Ich war damals als Austauschstudent vor Ort und organisierte einen Tag im Township. Chormitglieder hatten anschließend Interesse fünf Kinder, mit denen sie den Tag verbracht haben, schulisch zu unterstützen.

Die Idee, Kindern Zugang zu guter Bildung zu ermöglichen gab es allerdings schon etwas länger. Als ich von 1998 bis 2000 als Zivildienstleistender in Walmer Township gewohnt und in einem Jugendzentrum unter anderem mit arbeitslosen Jugendlichen gearbeitet habe, wurde mir deutlich, dass eine Intervention nur dann nachhaltig erfolgsversprechend erscheint, wenn sie schon im Kindesalter beginnt und von hoher Qualität ist.


Angefangen hat Masifunde mit fünf Patenkindern. Wie viele Schüler profitieren heute von den Bildungsprogrammmen?
Jonas Schumacher: Insgesamt profitieren circa 200 Kinder direkt von unseren Programmen. Das sind die Kinder, die wir nachmittags sehen, mit denen wir arbeiten. Indirekt profitieren weit mehr, weil unsere Programme mittlerweile so angelegt sind, dass unsere Kinder andere mit ausbilden und aufklären. Über Projekte wie Youth for Safer Communities, „Learn4Life!“, das High School Magazin Walmer's Own oder die Theatergruppe Born Free erreichen wir viele Workshopteilnehmer, Leser und Zuschauer auch aus anderen Stadtteilen.

 

Was bedeutet Masifunde und warum habt ihr euch für diesen Namen entschieden?
Jonas Schumacher: Masifunde heißt „Lasst uns lernen“. Der Name war die Idee von meinem Freund Lonwabo. Der Vorschlag hat mich direkt überzeugt, weil Masifunde vielseitig interpretierbar ist. Zum einen steht es für den Wissenshunger der Kinder. Das Bildungssystem in Südafrika ist zum Teil so schlecht, dass viele Kinder in den Townships demonstrieren und sich für ihre Bildungschancen einsetzen. Gleichzeitig ist „Lasst uns Lernen“ eine Aufforderung und ein Motto für uns als Organisation. Als Team bestehend aus jungen Erwachsenen durchlaufen auch wir einen 
stetigen Lernprozess.


Mit Blick auf die vergangenen zehn Jahre: Wie kann man die Entwicklung beschreiben?
Jonas Schumacher: Masifunde wurde nicht auf dem Reisbrett geplant. Es gab einfach die Möglichkeit fünf Kinder zu unterstützen. Mir lag das Township sehr am Herzen, ich kannte die Kinder und es lag einfach nahe, den Kindern diese einmalige Chance nicht zu verwehren.
Die Entwicklung, die folgte, war ein organischer Prozess. Die Tatsache, dass wir fünf Kinder eingeschult hatten, zog weitere Unterstützungsmechanismen nach sich: Hausaufgabenbetreuung, Schultransport aber auch außerschulische Aktivitäten, um sicherzustellen dass die Schüler in zwölf Jahren Schule nicht vom rechten Weg abkommen.
Als wir dann 2005 ein eingetragener Verein wurden, haben wir begonnen strategisch und vorausschauend zu planen und die Struktur geschaffen, auf der unsere Arbeit heute aufbaut.


Noch ein kurzer Ausblick: Was sind Visionen und Hoffnungen für die nächsten zehn Jahre?
Jonas Schumacher: Wir arbeiten zurzeit auf eine ganz konkrete Vision hin. Ein Teil ist natürlich, dass wir das, was wir aufgebaut haben, am Leben erhalten und verbessern. Wir wollen unsere Arbeit in Walmer Township noch ganzheitlicher gestalten und die Betreuung der Kinder ausbauen und intensivieren. In diesem Jahr bauen wir unser neues Bildungszentrum, das uns diese Vision ermöglichen wird.
Darüber hinaus wollen wir unseren sehr erfolgreichen Multiplikator-Ansatz replizieren und in den kommenden Jahren in weiteren Townships umsetzen. Dafür evaluieren und verschriftlichen wir zurzeit unsere Programme.