Masifunde Jahresbericht 2013: „Wir hätten das niemals gedacht!“

Endlich ist der Jahresbericht da! Wir blicken auf ein spannendes Jahrzehnt zurück und evaluieren diese Entwicklung nach Social Reporting Standard.

 

 

Im Jubiläumsjahr veröffentlicht Masifunde seinen Jahres- und Finanzbericht erstmalig auch als Wirkungsbericht nach Social Reporting Standard. Mit diesem Bericht wollen wir ausführlich auf die vergangenen 10 Jahre zurückzublicken, aber auch die Wirkung von Masifunde evaluieren.

 


Aus diesem Anlass führte Christoph Scheld ein Gespräch mit Jonas Schumacher, Jacob Birkenhäger und Lubabalo Valisa, der von Beginn an vor Ort in Südafrika dabei gewesen ist.


Christoph Scheld war selbst von 2007 bis 2010 Pressesprecher des Vereins und Leiter des Bereichs PR, Jonas Schumacher ist Gründer und Direktor von Masifunde in Südafrika, Jacob Birkenhäger ist Vorsitzender des Vereins in Deutschland und Lubabalo Valisa ist Direktor von Masifunde in Südafrika.

 

 

 


Christoph: 10 Jahre Masifunde. Eine absolut erstaunliche Erfolgsgeschichte, die als ein studentisches Projekt in einem Wohnzimmer in Mainz begann und nun eine professionelle Non-Profit-Organisation ist. Jonas, hättest du diesen Erfolg für möglich gehalten, damals in einem Wohnzimmer in Mainz?


Jonas: Die Antwort muss „Nein“ heißen. Zu dem damaligen Zeitpunkt hätte ich dies in keiner Weise für möglich gehalten. Es ging zu der Zeit ganz einfach nur darum, die ersten fünf Kids in einer Schule einzuschreiben und ihnen eine Zukunft zu gewährleisten. Ich wusste zwar schon, dass es große, gut geplante Projekte und Anstrengungen benötigte, um in Walmer Township etwas zu bewirken. Dass wir zu all dem und einem solchen Wachstum fähig sein würden, hätte ich damals allerdings nicht einmal zu träumen gewagt.

 

 


Christoph: Lubabalo, als Jonas auf dich zukam, war das Projekt bereits in vollem Gange. Was waren deine ersten Gedanken und Eindrücke?


Lubabalo: Als ich Masifunde beitrat, ging es für mich nur darum, in einem kleinen Projekt auszuhelfen, das ja lediglich aus der Förderung von fünf Kindern bestand. Dass daraus etwas so Großes erwachsen würde, hätte ich mir niemals vorstellen können.

 

 


Christoph: Es ist sehr schwer, die größten Errungenschaften Masifundes in nur einem Satz oder einem Gedanken zusammen zu fassen. Lasst es uns trotzdem versuchen! Was ist eurer Meinung nach der größte Erfolg, den das Projekt erreicht hat?


Jonas: Der größte Erfolg ist, so würde ich sagen, dass es uns immer noch gibt, dass wir es geschafft haben, das „Schiff“ Masifunde am Laufen und Wachsen zu halten, und das in der sehr herausfordernden Umgebung Südafrikas. Besonders Walmer Township ist ein sehr herausforderndes Township, jedes Jahr sehen wir hier Projekte mit großen Visionen kommen und gehen. Unsere größte Wirkung haben wir denke ich dadurch erzielt, dass wir mittlerweile 200 Schüler haben, die so gut ausgebildet sind, dass diese ihr Wissen wiederum an Gleichaltrige weitergeben können. Etwa durch unser Projekt „Youth for Safer Communities“, bei dem 2013 45 Masifunde-Schüler 2000 Schüler aus der ganzen Stadt erreicht haben.


Lubabalo: Für mich bedeutet das Wachstum der Organisation den größten Erfolg, Wachstum im Hinblick auf die Entwicklung des Managements, die stetig wachsende Zahl von Mitarbeitern und der Kinder, die von Masifunde profitieren. Die Bandbreite an Kindern, die wir erreichen, reicht mittlerweile von Vorschulkindern bis hin zu jungen Erwachsenen im Studierendenalter.

 

 


Christoph: Jacob, aus deutscher Perspektive, was ist deiner Meinung nach die größte Errungenschaft Masifundes?


Jacob: Als ich 2008 beitrat, gab es Masifunde nur in Mainz, allerdings waren wir auch damals schon mit vielen Freiwilligen gut aufgestellt. Aber auch in Deutschland wuchsen wir stetig. Mit etwa 100 Ehrenamtlichen, mehreren Partnerschulen und -unternehmen haben wir uns mittlerweile ein Netzwerk aufgebaut, das sich über ganz Deutschland erstreckt. Trotz unseres Wachstums läuft aber noch immer alles auf ehrenamtlicher Basis. Wir haben es geschafft, unsere familiäre Atmosphäre und den „Masifunde Spirit“ zu erhalten.

 

 


Christoph: Was sind eurer Meinung nach die größten aktuellen Herausforderungen?


Jacob: Die gute Entwicklung, auch auf finanzieller Ebene, in Deutschland auf ehrenamtlicher Basis fortzuführen, um unsere hohen Standards beizubehalten.


Jonas: Dem stimme ich zu. Jedes Jahr sagen wir, es gelte nun, das Erreichte nachhaltig zu sichern. Daher würde ich dies nun wieder sagen, jedoch mit dem gleichzeitigen Gedanken und der Gewissheit, dass wir weiter wachsen werden. Unsere größte aktuelle Herausforderung ist es, einen kritischen Blick auf unsere Kernkompetenzen zu werfen und uns zu überlegen: Was können wir verbessern? Können wir noch mehr bewirken? Und zweitens, darauf aufbauend: Gibt es noch mehr Kinder, die von uns profitieren können und unseren Einsatz benötigen? Wir planen also eine Art Reproduktion des Erreichten. Im Zentrum dieses Prozesses steht der Baubeginn unseres neuen Bildungszentrums in den nächsten Monaten. Dieses Projekt wird sicher einen ganzen Rucksack voller Aufgaben und Herausforderungen mit sich bringen.

 

 


Christoph: Wir haben nun über 10 Jahre Masifunde gesprochen, über die Vergangenheit und aktuelle Herausforderungen – lasst uns abschließend in die Zukunft blicken. Gibt es eine Vision für Masifunde, welche Projekte und Ideen sind in Planung?  


Jonas: Nun, Vielen ist vermutlich noch nicht bekannt, dass wir tatsächlich expandieren und unsere Aktivitäten auf weitere Orte ausweiten wollen, zunächst in Port Elizabeth, aber auch in ganz Südafrika. Daher überprüfen und skalieren wir unsere Programme momentan, um das Konzept unserer Kernaktivität, die Ausbildung von jugendlichen „change-makern“, in weiteren Städten zu implementieren. Unsere Vision ist es im Hinblick auf die kommenden 10 Jahre, ein nationales Netzwerk an „change-makern“ zu etablieren. Verbunden durch moderne Medientechnologie und regelmäßige Treffen soll dieses Netzwerk einen wichtigen Beitrag zu einer positiven Entwicklung der Gesellschaft Südafrikas leisten.

 

 


Christoph: Lubabalo, als einziger Südafrikaner in dieser Runde – von deiner Perspektive aus, was ist dein Traum, wenn du über ein Masifunde in 10 Jahren nachdenkst? Was kann Masifunde in dieser Zeit für dein Land, für P.E. und die Umgebung erreichen?


Lubabalo: Ich würde gerne sehen, dass wir weiterhin eine Organisation sind, die nicht einfach daherkam und von oben herab unserem Land ihre Idee der Entwicklung aufdrückte. Sondern dass wir stattdessen eine Organisation sind, die wirklich auf die Bedürfnisse der Gesellschaft geschaut und dieser in der hilfreichsten Weise assistiert. Eine Organisation, die nicht mit einem ignoranten oder naiven Anspruch arbeitet. Ich möchte sehen, dass wir in den kommenden 10 Jahren nachhaltige Unterstützung für Walmer Township geliefert haben werden.


Jacob: Daher ist es auch wichtig, dass wir noch enger mit den Schulen vor Ort in Walmer Township zusammen arbeiten. Teil unserer Entwicklung soll es sein, unsere Idee der Entwicklung von change-makern in andere Regionen Südafrikas zu tragen, gleichzeitig aber den Fokus auf Walmer Township beizubehalten und die Zusammenarbeit mit dortigen Schulen und der Bevölkerung zu intensivieren.

 

 


Christoph: Lasst uns mit einer simplen Frage und jeweils mit einem kurzen persönlichen Statement abschließen – Was ist das Besondere an Masifunde?


Jacob: Masifunde ist eine eher kleine Organisation, bei der jeder Einzelne immer noch eine wichtige Rolle spielt, gleichzeitig wachsen wir weiter und entwickeln uns. Wir können sehen, dass wir tatsächlich etwas bewegen.


Lubabalo: Ich denke Masifunde ist bedeutsam, weil es eine mutige Organisation ist. Warum sage ich das? Als akademische Mainstream-Programme die Regel waren, entschied sich Masifunde für informelle Ausbildungsprogramme abseits des Mainstreams. Dies ist etwas, das in Südafrika viel Mut und Willen erfordert, um langfristig bestehen zu können. Wir haben es geschafft, auch gegen Widerstände unser Programm zu etablieren, weil wir einen essentiellen Bedarf erkannt haben.


Jonas: Ich denke, Masifunde ist besonders, da wir anscheinend die Gabe haben, gute Menschen für uns zu gewinnen. Wir haben tolle Freiwillige in Deutschland, wir haben ein tolles Team hier in Südafrika, wir haben tolle Kinder und Jugendliche, die an unseren Programmen teilnehmen. All diese besonderen Menschen machen aus Masifunde eine besondere Organisation.

 

 


Christoph: Vielen Dank für das Gespräch.
 
Für mehr Masifunde Daten, Geschichte und Rückblicke einfach hier den Jahresbericht 2013 herunterladen.

Jacob Birkenhäger
Jonas Schumacher
Lubabalo Valisa