“Die rasanten Entwicklungen begleitet zu haben - das macht mich glücklich”

Jacob Birkenhäger tritt als Vorsitzender zurück. Im Interview erklärt er seine Beweggründe und wie er dem Verein erhalten bleibt.

Wandel im Masifunde-Vorstand: Nach fünf Jahren als Vorsitzender hat sich Jacob Birkenhäger dazu entschieden, den Vorsitz im Vorstand abzugeben, kandidiert aber bei der Jahreshauptversammlung für einen normalen Vorstandsposten. Er wird die Entwicklungen Masifundes also weiter prägen und begleiten, steht aber nicht mehr in vorderster Reihe. Wieso, weshalb, warum? Jacob beantwortet unsere Fragen im Interview:

 

Was hat Dich dazu bewogen, zur Jahreshauptversammlung am 9. April vom Amt des 1. Vorsitzenden zurückzutreten?



Jacob Birkenhäger: Die Entscheidung, vom Vorsitz zurückzutreten, kam einerseits sehr plötzlich, war andererseits aber auch ein langer Prozess. Ich habe Ende letzten Jahres darüber nachgedacht, was ich 2017 erreichen möchte, und da standen ganz private Dinge wie Zeit für Freunde, Zeit für Kultur, Sport, Kochen, Lesen und vieles mehr im Vordergrund. Alles Sachen, für die mir durch meinen Vollzeitjob und Masifunde zuletzt die Zeit gefehlt hat. Daher war für mich plötzlich klar, dass ich mein Engagement bei Masifunde runterfahren möchte. Das war der plötzliche Teil der Entscheidung.
Seitdem ich Vollzeit arbeite, habe ich auch gemerkt, dass ich nicht nur weniger Zeit, sondern vor allem auch weniger Energie und gedankliche Kapazitäten für Masifunde habe. Ich werde Masifunde in meinen Augen nicht mehr in der Form gerecht, in der ich es für nötig halte und von mir selbst erwarten würde. Darum ist der Rücktritt für mich persönlich der richtige Schritt.


 
„Wir wollen Learn4Life! nach Deutschland bringen – das ist ein großer Schritt“

 

Worauf bist Du rückblickend besonders stolz?



JB: Die Frage ist nicht leicht zu beantworten, denn da gibt es vieles. Als ich vor sechs Jahren in den Vorstand gewählt wurde, fing Masifunde in Deutschland gerade an, sich über die Grenzen von Mainz oder Bensheim hinaus deutschlandweit auszudehnen. Heute gehört es zum ganz normalen Vereinsleben, dass unsere Freiwilligen über ganz Deutschland verteilt sind. Außerdem ist der Verein so groß geworden, dass kaum noch jeder jeden kennt. All das bringt Herausforderungen mit sich, aber ich denke, dass wir diese mit Teamwochenenden und Planungtreffen sehr gut meistern.
Ähnlich wie die Entwicklungen in Deutschland hat sich Masifunde auch in Südafrika enorm weiterentwickelt. Vor sechs Jahren hatten wir in Port Elizabeth ein kleines Team, das vor allem aus deutschen weltwärts-Freiwilligen bestand. Heute arbeiten mehr als 30 Leute für Masifunde. Wir erreichen viele hundert Kinder  mit unseren Programmen und viele tausend zusätzlich über offene Angebote. Wir sind in Walmer Township bald an vier Standorten aktiv und seit Januar auch in anderen Stadtteilen von Port Elizabeth dauerhaft vertreten. Diese rasanten und erfolgreichen Entwicklungen begleitet zu haben, ist ohne Frage ein gutes Gefühl.
Ganz besonders stolz bin ich zudem darauf, dass wir im letzten Jahr zusammen Anträge für unsere Bildungsarbeit in Deutschland geschrieben und uns dafür viel vorgenommen haben. Wir wollen Learn4Life! nach Deutschland bringen - das ist ein großer Schritt, den wir gerade rein ehrenamtlich leisten. Ich hoffe sehr, dass unsere Anträge erfolgreich sind und wir bald Menschen ein Honorar zahlen können, um an diesem Projekt zu arbeiten. Die Weiterentwicklung der Bildungsarbeit in Deutschland und der Weg hin zu hauptamtlichen Strukturen bei Masifunde in Deutschland wird mich sicherlich auch nach meinem Rücktritt weiter begleiten.

 

Gibt es etwas, dass Du den Unterstützerinnen und Unterstützern von Masifunde zu Deinem Abschied als Vorsitzender sagen möchtest?



JB: Es klingt ein bisschen so, als seien die Entwicklungen, die ich aufgezählt habe, alleine mein Verdienst. Das ist natürlich Käse! Ich sage und schreibe es immer wieder, und ich meine es sehr ernst: Masifunde lebt von vielen tollen Menschen, von unseren zuverlässigen Partnern, Paten und Spendern, von vielen Menschen, die unser Konzept überzeugt und die uns vertrauensvoll unterstützen. Außerdem prägen unsere Mitglieder den Verein, die unsere Entwicklungen offen, aber auch kritisch begleiten, und natürlich die vielen Freiwilligen in ganz Deutschland, die keine Mühen sparen, um unseren Verein sehr professionell zu unterstützen. Diese großartige Unterstützung ist das beste, was Masifunde passieren kann.
Es ist für mich daher völlig klar, dass ich Teil dieses Teams bleiben möchte. Meine Rolle dafür muss ich noch finden, aber dem Vorstand bleibe ich erstmal erhalten und werde mich vor allem um die strategische Weiterentwicklung des Vereins, um die ständige Verbesserung unserer Arbeit und um unser Partnernetzwerk kümmern.