Die Ausgangslage

Erbe der Vergangenheit

Masifunde arbeitet in einem der ärmsten Viertel Südafrikas, in Walmer Township, Port Elizabeth. Auf gerade einmal vier Quadratkilometern leben nach Schätzungen über 70.000 Menschen in einfachen, winzigen Steinhäusern und illegalen Siedlungen aus Blech- und Papphütten. Die täglichen Probleme der Townshipbewohner sind zahlreich und schwerwiegend – nur wenige gehen einer geregelten Arbeit nach. Drogen- und Alkoholmissbrauch sowie (Jugend)-Kriminalität sind weit verbreitet, die HIV-Neuinfizierungsrate ist hoch. Wer als Kind in diesem Armutsviertel aufwächst, hat kaum eine Zukunft. Wir möchten dies mit Ihrer Unterstützung ändern!

Apartheid in Südafrika

Die langen Jahre der gesetzlich verankerten und ausnahmslosen Rassentrennung in Südafrika haben das Land geprägt und sind bis heute deutlich spürbar. Konkrete Gesetze regelten zwischen 1948 und 1991 das Leben der verschiedenen Bevölkerungsgruppen. Schwarze und Farbige bekamen an den Stadtgrenzen eigene Wohnsiedlungen zugewiesen, die sogenannten „Townships“. Auch in der Erziehung und Ausbildung wurden die Kinder nach Hautfarben getrennt. Einher gingen große qualitative Unterschiede. Für einen weißen Schüler wurde das 16-fache des Geldes ausgegeben, welches in die Schulbildung eines schwarzen Schülers investiert wurde. Die Schule diente vorrangig der Rechtfertigung und Aufrechterhaltung der Ideologien der Apartheid – Schwarze sollten lediglich zu billigen Arbeitskräften ausgebildet werden.

Schatten der Vergangenheit

Als eines der wenigen Townships haben sich die Bewohner des Walmer Townships dem „Group Areas Act“, dem Gesetz, welches Schwarze aus ihrem gewohnten Lebensumfeld an die Ränder der Stadt vertrieb, widersetzt. Resultierend daraus liegt es auch heute noch inmitten Port Elizabeths, nur durch eine Straße von einem der wohlhabendsten Teile der Stadt getrennt. Der Widerstand brachte  viele Sanktionsmaßnahmen des Apartheidregimes mit sich – bis in die 1990er Jahre wurde das Township von allen städtischen Leistungen ausgeschlossen. Seine Bewohner mussten auf Strom, Abwasser, feste Straßen und auch Schulbildung nahezu gänzlich verzichten. Die Folgen dieser Zeit sind insbesondere im extrem niedrigen Bildungsniveau bis heute deutlich ersichtlich.

Katastrophaler Bildungszustand

Walmer Township verfügt über zwei Grundschulen und eine weiterführende Schule. Die Klassen sind mit bis zu 60 Kindern viel zu groß. Die Räumlichkeiten sind nur ungenügend ausgestattet. Es fehlt an Schulbüchern, Unterrichtsmaterialien sowie Lernmöglichkeiten wie Bibliotheken oder Computerräumen. An außerschulische Angebote, welche die künstlerischen, sportlichen oder musischen Talente der Schüler fördern würden, ist nicht zu denken. Zudem sind die Lehrkräfte meist unzureichend ausgebildet und angesichts der mangelhaften Zustände und der schlechten Bezahlung desillusioniert und unmotiviert. Die Aussichtslosigkeit, mit der viele der Jugendlichen in Walmer Township die High School beenden, ist groß. Wer die Schule nicht bereits abgebrochen hat, schließt sie meist mit unterdurchschnittlichen Noten ab und sieht sich schnell mit den alltäglichen Problemen des Townshipalltags konfrontiert – Arbeitslosigkeit, Armut, Alkoholismus.

Aus dem niedrigen allgemeinen Bildungsniveau resultiert für die Kinder auch ein äußerst niedriges Niveau an informeller Bildung, die auf unstrukturierte Weise in den Familien und dem täglichen sozialen Umfeld passieren sollte. Hinzu kommt, dass auch außerhalb der Schulen nahezu keine organisierten Freizeit- oder Förderangebote für Kinder und Jugendliche vorhanden sind. Die einzigen Treffpunkte liegen auf den Straßen und in den Kneipen des Townships.

Teufelskreis der Armut

Die Bewohner des Walmer Townships haben kaum eine Möglichkeit, ihre Situation zu verbessern. Der niedrige Grad der schulischen und außerschulischen Bildung führt nahezu ausnahmslos zur Arbeitslosigkeit oder schlecht entlohnter niederschwelliger Arbeit. Die Aussichtslosigkeit und Zukunftsangst wird in vielen Fällen in Alkohol ertränkt und ist häufig auch Auslöser für die gewalttätige Lösung von Konflikten. Die Kriminalitätsrate ist hoch. Die mangelhafte Gesundheitsversorgung und fehlendes Verständnis führen weiterhin zu einer hohen HIV-Infektionsrate. Diese wirkt sich wiederum auf den Grad der Bildung und die Arbeitssituation aus. Wer einmal in diesen Teufelskreis gelangt ist, hat sehr geringe Chancen, ihm zu entkommen. Einzig durch qualitative, exzellente schulische wie außerschulische Bildung können Perspektiven entwickelt werden. Diese wird bisher allerdings nur außerhalb des Townships, in den ehemals nur weißen Schülern vorbehaltenen Schulen und Einrichtungen angeboten und ist für die Bewohner des Townships im Regelfall nicht zu bezahlen. 

 

 

 

 


Chancengleichheit schaffen

Die Defizite im Bildungssystem trifft die Bevölkerung unterschiedlich schwer. Während Kinder der sehr reichen Minderheit hervorragende Schulen und Einrichtungen besuchen, ist dies für den Großteil der Bevölkerung unerschwinglich. In Walmer Township ziehen sich die Mängel in der Bildungssituation durch alle Bereiche und Altersstufen. Bildungsdefizite benachteiligen Kinder und Jugendliche. Sie tragen große Schuld an dem Entstehen und dem Fortbestand des Teufelskreises.  Um Kindern und Jugendlichen eine faire Chance im Leben zu geben, muss auf allen drei Ebenen, also in der schulischen, außerschulischen und informellen Bildung eingegriffen und unterstützt werden.

 

 

Unser Ansatz